Im Glutkessel von Dresden: Fünf Medaillen für den TSV Rot-Weiß Zerbst

Es gibt Wettkämpfe, bei denen kämpft man gegen die Uhr. Es gibt Wettkämpfe, bei denen kämpft man gegen die Konkurrenz. Und dann gibt es Wettkämpfe wie dieses Wochenende in Dresden wo alle zuerst gegen die Hitze kämpfen. Das Heinz-Steyer-Stadion verwandelte sich vom 26. bis 28. Juni bei Temperaturen um die 40°C in einen regelrechten Backofen. 

Bei den offenen Landesmeisterschaften der Masters, den Deutschen Meisterschaften der Para-Leichtathletik und den Sächsischen Hochschulmeisterschaften herrschte dennoch reger Betrieb. Allein bei den Masters gingen 314 Athletinnen und Athleten aus 107 Vereinen und 13 Bundesländern an den Start und sorgten für ein hochklassiges Teilnehmerfeld.

Für den TSV Rot-Weiß Zerbst trat Christina Schulze in der Altersklasse W30 an. Bewusst entschied sie sich für das stärkere Teilnehmerfeld in Dresden statt für Halle, eine Entscheidung, die sich auszahlte, denn die Landesmeisterschaften in Halle wurden aufgrund der Hitze abgesagt.

Schon im Callroom zeigte sich die hervorragende Organisation. Startnummer? Kontrolliert. Vereinstrikot? Kontrolliert. Und selbst die Spikelänge wurde genau überprüft. Wer hoffte, mit einem Millimeter zu langen Dornen unbemerkt auf die Bahn zu kommen, musste noch vor dem ersten Start umdenken.

Der Samstag hatte es für Schulze in sich. Geplant waren gleich vier Disziplinen: 800m, 100m, Kugel (4 kg) und 1500m. Letztere wurden aufgrund der extremen Hitze kurzfristig gestrichen. Die übrigen Wettbewerbe verlangten den Athletinnen und Athleten bei geschätzten 46 °C in Brusthöhe und einem auf über 60 °C aufgeheizten Tartanbelag dennoch alles ab. Da fühlte sich selbst der Weg zur Trinkflasche wie eine eigene Disziplin an. Am Ende standen Silber über 800m (3:31,82 min) und im Kugelstoßen (7,86 m) sowie Bronze über 100m (17,37 s) zu Buche.

Auch der Sonntag verlief ohne große Verschnaufpause. Im Speerwurf (600g) standen nach dem wetterbedingten Ausfall von zwei Kampfrichtern lediglich drei Versuche zur Verfügung. Diese reichten aus, um sich mit 26,86m den Landesmeistertitel zu sichern. Viel Zeit zum Durchatmen blieb allerdings nicht. Kaum war der Speer gelandet, mussten die Schuhe gewechselt werden, denn 5 Minuten später warteten bereits die 200m. Vorher mussten noch die Startblöcke eingestellt werden. Bei dem aufgeheizten Metall keine ganz angenehme Aufgabe für die Athletinnen. Trotz der Vorbelastung sprang auch hier noch Silber (37,71 s) heraus.

So standen am Ende fünf Starts und fünf Medaillen für Schulze auf der Ergebnisliste.

Was jedoch noch länger in Erinnerung bleiben dürfte, ist ein Wochenende, an dem Hunderte Athletinnen und Athleten der Hitze trotzten, sich gegenseitig unterstützten und anfeuerten. Die Leichtathletik zeigte einmal mehr, was sie auszeichnet: Fairness, Respekt und die Bereitschaft, auch unter außergewöhnlichen Bedingungen alles zu geben. Manchmal erzählen Medaillen eben nur einen Teil der Geschichte.

Text: Christina Schulze


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 29.06.2026 um 12:02 von:
Torben Fischer
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